Der Gipfel zu zweit ist mehr als ein Titel alleine - Nives Meroi "Ich werde Dich nicht warten lassen"

Basislager am Kangchendzönga, Quelle (4): Archiv Nives Meroi
Wie weit geht Liebe, Partnerschaft oder wann müssen wir uns zwischen Egoismus und Gemeinsamkeit entscheiden? Würden wir auf den möglicherweise größten Erfolg unseres Leben zugunsten des Menschen verzichten, den wir lieben?
Das Buch von Nives Meroi "Ich werde Dich nicht warten lassen" handelt zwar von Achttausendern und Expeditionen, von Eis und Kälte, aber der Kern des Buches liegt genau hier. In der Frage nach dem, was wirklich zählt im Leben.

In "Ich werde Dich nicht warten lassen" erzählt Meroi, die zu den großen Bergsteigerinen der heutigen Zeit zählt und gemeinsam mit ihrem Mann Romano die Achttausender der Welt besteigt, die Geschichte ihrer Besteigung des Kangchendzönga. Dies sollte ihr zwölfter Achttausender werden. Im Rennen um den Titel der ersten Frau auf allen Achttausendern war sie 2009 neben Gerlinde Kaltenbrunner und Edurne Passaban eine der Favoritinen. Auch wenn sie schreibt, dass ihr der Titel nicht so viel bedeuten würde, räumt sie auch ein, dass er zahlreiche Sponsorenverträge und mediale Aufmerksamkeit bringen würde. Was wiederum ihre zukünftigen Expeditionen finanzieren würde und somit ihr gleichzeitig wieder mehr Freiheit geben würde.

Und so machten sich beide auf, den Kangchendzönga und die Annapurna zu besteigen. Ohne künstlichen Sauerstoff, ohne Höhenträger wollen sie, wie auch bei den vorausgegangenen Besteigungen, auch hier wieder möglichst wenig Spuren hinterlassen und möglichst minimalistisch am Gipfel ankommen. Doch schon in der Vorbereitung der Gipfelbesteigung merkt Meroi, dass es ihrem Mann nicht gut geht. Dass es ihm zunehmend schwer fällt, bis er schließlich wenige hundert Höhenmeter unterhalb des Gipfels aufgeben muss.

Alleine auf den Gipfel - unvorstellbar

Nives Meroi mit Ihrem Mann Romano Benet
Sein Angebot auf Nimes Meroi zu warten, während diese den Gipfel besteigt nimmt sie nicht an. Wohl wissend, dass sie damit keine Chance mehr auf den Achttausender-Titel hat, entschließt sie sich mit ihrem Mann wieder abzusteigen. Denn die Vorstellung alleine auf den Gipfel des Kanchenzönga zu stehen, dem ersten Achttausender ohne Romano und die Angst um seinen Gesundheitszustand lässt sie keine Sekunde zögern. Ein abenteuerlicher Abstieg beginnt, in dem Romano mit letzter Kraft im Basislager ankommt. Hier endet der erste Teil der Geschichte.

In der nun folgenden Krankengeschichte ihres Mannes, die für beide eine schwere Zeit ist, hadert Meroi zu keinem Zeitpunkt mit ihrer Entscheidung. Auch als sich das Rennen der Frauen zugunsten von Edurne Passaban entscheidet, bereut sie es nicht auf den Kangchendzönga verzichtet zu haben. Die Welt der Expeditionen zu den Achttausendern der Welt scheint in dieser Zeit für sie weit weg zu sein.

Der Persönliche Triumph nach fünf Jahren

Nach fünf Jahrem am Ziel: Auf dem Gipfel des Kangchendzönga 2014
Fünf Jahre sollten vergehen, bis die Beiden bei ihrem dritten Versuch den Gipfel des Kangchendzönga erreichen werden. 2014 stehen sie alleine, ohne Wettbewerbsdruck auf dem Gipfel. Mit großer Dankbarkeit nehmen Beide das Geschenk an, dass ihnen der Kangchendzönga in diesem Moment macht und dieser Sieg scheint Meroi um ein vielfaches mehr zu bedeuten, als es ein Titel um die erste Frau auf allen Achttausender je hätte sein können.

Fazit: Ich lesen sehr gerne Bücher von Expeditionen dieser Art. Da ich wohl nie den Mut, die Kondition und das Duchhaltevermögen aufbringen werde, Gipfel in dieser Kategorie zu besteigen, lese ich umso lieber davon, wie es andere schaffen. Doch meist sind es Einzelgänger, die ihr ganzes Leben diesem Traum des Bergsteigens unterordnen. Umso faszinierter bin ich von diesem Paar, dass jeden Gipfel zusammen besteigt und das dabei gemeinsam Erlebte ganz klar im Vordergrund steht. Aus diesem Grund ist es wahrscheinlich für Nives Meroi zu keinem Moment in Frage gekommen, alleine weiter zu gehen. Eine Entscheidung die von großer Liebe und innerer Größe spricht und aus diesem Buch nicht nur eine Geschichte der Besteigung der Achttausender macht, sondern auch eine Geschichte über Partnerschaft, Verzicht und gemeinsame Ziele. Ein sehr lesenswertes Buch.

"Ich werde Dich nicht warten lassen" - Nives Meroi
Tyrolia Verlag Innsbruck
ISBN 978-3-7022- € 19,95
Auch als E-Book erhältlich: ISBN 978-3-7022-3526-0, € 16,99
http://www.tyroliaverlag.at/list/9783702235055

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