Nachdenkliches - Kinder und das eigene Leben

Es gab eine Zeit, in der ich kinderlos auf Gipfel und Bergen unterwegs war, im Fels kletterte und Stahlseilen in den Himmel folgte. In dieser Zeit habe ich einen Großteil meiner Freizeit in den Bergen verbracht. Dabei habe ich auch oft Familien gesehen, die mit ihren scheinbar gut gelaunten Kindern, ebenso Gipfel bezwungen oder erste Versuche im Klettersteig unternommen haben. Also sah ich mich dann, als es soweit war, in meinen Schwangerschaftsfantasien mit meiner Familie
weiterhin diesem Hobby nachgehen. Natürlich war mir schon klar, dass ein Dreijähriger nicht einen 3000er Gipfel besteigen wird, aber erste kleine Vorgipfel waren es in meinen Vorstellungen durchaus.

Zu Beginn ließ es sich auch sehr gut an. So war mein Sohn im zarten Alter von sechs Wochen auf seinem ersten kleinen Gipfel. Klar er war da ziemlich willenlos und wo Mama ihn hinschleppte war ihm letztlich egal. Der erste Sommer als Familie war so auch recht entspannt und wir waren oft in den Bergen unterwegs.
Doch irgendwann kommt der Punkt, andem ein Kind zu schwer ist, um getragen zu werden, bzw.  auch gar nicht mehr getragen werden will. Auf den eigenen zwei Beinen zu laufen ist interessanter und spanender.

Aber in der festen Überzeugung, Natur ist gut für das Kind, haben wir fortan Gipfel im Schneckentempo bezwungen und dabei allerlei interessantes am Wegesrand entdeckt. Höhlen, Steine, Äste und so weiter. Bald war der Rucksack jedesmal randvoll mit Dingen, die unbedingt mit nach Hause mußten. Dies ging dann auch noch einen Sommer gut, aber dann entwickelte sich der eigene Wille beim Kind. Und damit ist dann nun wirklich nicht zu spaßen.

Ab sofort war jede Bergtour eine Höchststrafe die an Langeweile anscheinend nicht zu überbieten war. Natur war etwas geworden, dass es zu meiden gilt. Bergauf zu laufen Folter und Bergab erst recht. Und plötzlich rückten meine geliebten Berge und meine allerliebste Freizeitbeschäftigung in unerreichbare Ferne. Was nun? Sich einreden, dass Sonntag Nachmittage auf dem örtlichen Spielplatz der Innbegriff der Glückseeligkeit sind? Ganz abgesehen von den Besuchen in überfüllten Indoorspielplätzen?

Klar, mit Kindern ändert sich das Leben und nicht nur zum schlechten, wie es hier scheint. Die bedingungslose Liebe, die einem entegegen gebracht wird, macht mich noch oft sprachlos. Die Hingabe an Kleinigkeiten demütig und Erklärungen eines Vierjährigen verursachten schon zahlreiche Lachanfälle und gute Laune. Aber das eigene Leben rückt in den Hintergrund. Das akzeptiere ich mal besser und mal schlechter. So ist das eben. Und Sehnsucht nach den Bergen haben, darf ja wohl erlaubt sein.

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