Wie nachhaltig kann und will ich leben - bin ich bereit für den Verzicht?


Neulich habe ich ein interessantes Gespräch über Nachhaltigkeit im Outdoorbereich, bei Bekleidung im allgemeinen und natürlich auch beim Essen geführt. Die Frage war, wo fange ich an und wo führt es mich hin, wenn ich konsequent nachhaltig leben will. Eine schwierige, aber auch eine sehr interessante Frage, wie ich finde, auch wenn sie nicht unbedingt ausschließlich den Outdoorbereich betrifft. Deswegen würde ich gerne hier ein paar Gedanken dazu teilen.

Klein und fein - Outdoormode made in Europe


Ich habe ja in der Vergangenheit gerne mal über Nachhaltigkeit im Outdoorbereich berichtet. Vor allem wenn ich nette kleine Labels gefunden habe, die eben zeigen, dass Outdoormode sehr wohl made in Europe sein kann und deswegen nicht gleich unbezahlbar wird. Unternehmen, die Outdoorbekleidung anbieten, die sich von der großen Masse in Design und verwendeten Materialen abheben. Wie zum Beispiel "Triple 2" oder die "Hosenmanufaktur Jung".

Lokale Rohstoffe in der Outdoorproduktion

Jacke von Ortovox im Test
Aber auch große Unternehmen, wie zum Beispiel Ortovox zeigen, dass eine nachhaltige Produktion in Europa umsetzbar ist. Dass die Unterstützung lokaler Bauern, in diesem Fall die Schafbauern in der Schweiz, zu tollen Produkten führen kann, die mit Funktionalität und Design überzeugen. Es muss im Winter eben nicht immer die Daunenjacke sein, auch andere Materialen wärmen ganz exzellent und sind in ihrer Herstellung wesentlich Ressourcen schonender, wie eben Schurwolle oder Hanf.

Nachhaltigkeit im Alltag - umsetzbar oder Utopie?


Doch nun soll der Gedanke der Nachhaltigkeit ja nicht in der Freizeit enden. Die Idee beim Konsum auf umweltschonende Produktion zu achten, auf fair gehandelte Produkte zurück zugreifen und dabei auch die lokalen Erzeugnisse zu bevorzugen, ist ja nun nicht so neu. Doch im alltäglichen Leben nicht immer leichtumsetzbar und oft nicht gerade günstig. Und so fragten wir uns, was ist realistisch, was einfach nicht umsetzbar?
Klar bei Lebensmittel ist es inzwischen recht einfach, einen gewissen Standard in dieser Hinsicht zu erfüllen. Regionale und saisonale Produkte sind klar im Vorteil, auch mit Bioprodukten dürfte der Umweltaspekt ganz gut erfüllt sein. Doch bei Produkten, wie Kaffee fängt es an. Verzichte ich dann wirklich auf meine netten bunten Kaffeekapseln oder Pads? Kaufe ich wirklich keine Ananas, Bananen oder Melonen mehr, weil sie ja um die halbe Welt geflogen sind?


Wer fährt gerne mit dem Zug in die Berge?

Fahre ich wirklich mit dem Zug in die Berge?
Und so geht es dann natürlich weiter. Lasse ich mein Auto bei Regen wirklich stehen? Fahre ich mit dem Zug oder dem Bus in die Berge, auch wenn die Anfahrt länger dauert und unbequemer ist?
Fragen, die ich zum Teil nicht wirklich ernsthaft mit Ja beantworten kann. Denn ich gebe zu, ich fahre nicht gerne Zug. Mir sind überfüllte Abteile ein Kraus und nehmen mir schon jegliche Vorfreude auf einen schönen
Tag in den Bergen. Aber wer sagt auch, dass nachhaltiges Leben immer komfortabel ist?

Eben, keiner, denn manchmal bedeutet nachhaltiges, umweltschonendes Leben Verzicht. Dem einen erscheint es vielleicht nicht als Verzicht, dem anderen dafür umso mehr. Denn richtig, ernsthaft und in jeder Lebenssituation lässt es sich, meiner Meinung nach, nicht wirklich umsetzen. Was aber nicht bedeutet, dass kleine Schritte auch viel bedeuten können. Und vielleicht wird ja irgendwann mal aus vielen kleinen Schritten ein großer?





Kommentare:

  1. Hallo Almut,

    interessante Denkanstöße hast du da zusammengetragen. Allerdings verstehe ich das mit dem Zugfahren nicht. Ich genieße es, nach einer langen Tour einfach nur zu entspannen und nicht noch Autofahren zu müssen. Wenn immer es geht, reise ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln an, so kann man tolle Über- und Durchschreitungen realisieren! Klar ist eine überfüllte BOB am Samstagmorgen um 8 Uhr nicht schön, aber dann muss man eben früher fahren ;)

    Just my two Cents...

    Rebecca

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    1. Hallo Rebecca,

      für Fernwanderungen ist die Anreise mit dem Zug oder dem Bus natürlich praktisch. Aber grundsätzlich bin ich einfach kein großer Zugfahrer. Mich stresst es zum Beispiel schon etwas in der Früh zu einer bestimmten Uhrzeit dann am Bahnhof zu sein oder mich am Abend mit vielen anderen müden Wanderern in den Zug zu setzen. Ich gestehe ein, dass ich in so einem Moment gerne Auto fahre und einfach meine Ruhe habe. Auch wenn ich dann im Stau stehe ;-) Und ich bin mir natürlich auch bewußt, dass dies nicht gerade das Beste für die Umweltbilanz ist. Deswegen sprach ich für mich auch von Verzicht auf den Komfort.
      Aber so unterschiedlich ist einfach das Empfinden und umso besser wenn Du gerne Zug fährst.

      Viele Grüße

      Almut

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    2. Klar, deinen Standpunkt verstehe ich natürlich auch, ist ja nicht so, als führe ich nicht gern Auto ;) Mir ist allerdings noch ein guter Grund für die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln eingefallen: Man muss sich beim Einkehrschwung keine Gedanken machen, was man trinken darf und was nicht; außerdem habe ich nach einem verpassten Anschluss schon die schönsten Einkehrmöglichkeiten entdeckt - ungeschlagen wird wohl für lange Zeit diese Story sein: http://rebecca-abenteuerberge.blogspot.de/2013/03/bei-bestem-wetter-auf-den.html

      Liebe Grüße

      Rebecca

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