80 Jahre "Bergsteiger" - von großen Momenten des Alpinismus und persönlichen Lieblingszielen

Fast jeder Bergsteiger hatte ihn schon mal in der Hand. Hat dabei von seiner letzten oder von der nächsten Tour geträumt, Testberichte gelesen oder sich einfach unterhalten lassen. Die Zeitschrift der "Bergsteiger" ist fast schon ein Urgestein der deutschsprachigen Outdoor-Zeitschriften. Nein, eigentlich ist er ein Urgestein, denn dieser Tage feiert die Zeitschrift ihr 80 jähriges Jubiläum. Für eine Zeitschrift ist dies wirklich eine besondere Leistung, denn so schnell, wie ein neues Produkt auf den Markt kommt, so schnell verschwindet es wieder. 

Aus diesem Grund sprach der Gipfelblick mit dem Chefredakteur Michael Ruhland über das Jubiläumsheft "80 Jahre - 80 Touren", Bergsteiger-Geschichte und persönliche Lieblingsziele in den Bergen.

Gipfelblick: Das Jubiläumsheft steht unter dem Motto 80 Jahre - 80 Touren: Das hört sich sehr ambitioniert an. Wie haben Sie es geschafft die besten 80 Touren zu finden? 

Michael Ruhland: Der BERGSTEIGER hat zum Glück einige Autoren, die seit 40 und mehr Jahren in den Bergen unterwegs sind und auf einen überreichen Erfahrungsschatz zurückgreifen können. Ich habe vier Bergfexe gebeten, jeweils aus ihrem Spezialgebiet (Wandern, Hochtouren, Klettersteige, Klettern) ihre 20 eindrucksvollsten Touren zu schildern. Herausgekommen ist eine einzigartige Sammlung, die die Überschrift "Die besten 80 Touren" verdient hat, wie ich finde.

Gipfelblick: In 80 Jahren Bergsteiger-Geschichte ist viel passiert: Was waren die großen Momente für den "Bergsteiger"?

Ruhland: Große Momente des Alpinismus gab es in der Tat viele. War es vor Messners Zeiten undenkbar, auf dem Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff zu steigen, hat ein David Lama vor einem Jahr die Grenzen der freien Begehung mit seinem Coup am Cerro Torre wieder ein Stück nach oben verschoben. Die großen Momente des BERGSTEIGER sind weniger singuläre Momente, sondern sie bestehen in der Tatsache, dass das Magazin den Bergsport nunmehr seit 80 Jahren kritisch begleiten kann und selbst dazu einen Beitrag liefern darf, dass die Begeisterung für die Berge hoch gehalten wird.

Gipfelblick: In dieser Zeit hat sich aber auch das Bergsteigen weiterentwickelt. Von einem Sport, den Einzelne ausübten hin zu einer Massensportart. Wo sehen Sie die Aufgaben des "Bergsteigers" heute? Gab es hierbei eine Wandlung in den 80 Jahren?

Ruhland: Die Aufgabe des BERGSTEIGER ist heute mehr denn je, der zunehmenden Zahl an Bergfans durch hintergründige, fundierte Berichterstattung den "richtigen" Zugang zur Bergwelt zu schaffen. Sowohl was das Thema Sicherheit am Berg betrifft, als auch die Rücksicht auf Natur und kulturelle Hintergründe. Kurzum: Wer die Bergwelt in seiner Freizeit erleben darf, genießt ein Privileg und muss sich auch seiner Verantwortung gegenüber dem Natur- und Kulturraum bewusst sein. Dazu wollen wir aktiv einen Beitrag leisten, nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern durch fachlich fundierte Berichte und Reportagen, die für die Bergwelt und ihre Fragilität sensibilisieren.

Gipfelblick: Das Kapital des Bergsteigens sind die Berge, die Alpen, die Natur. Sehen Sie den "Bergsteiger" dabei in der Pflicht dieses Kapital zu erhalten?

Ruhland: Das versteht sich von selbst. Wir weisen auch auf Missstände hin und positionieren uns klar gegen die Eventisierung des Bergsports sowie die Verbauung der Bergwelt.

Gipfelblick: Und zum Schluss: Verraten Sie uns Ihre persönliche Lieblingstour?

Ruhland: Hmm, derer gibt es viele. Im Urlaub bin ich gerne in den piemontesischen Alpen unterwegs, z.B. auf Touren in den Ossolatälern. 
Ein Tour, die gerade im Herbst faszinierend ist und von München aus gesehen fast vor der Haustüre liegt, ist eine Runde von Walchensee aus auf den Heimgarten und über den Herzogstand zurück. Wenn ich sie später am Tag gehe (und die Herzogstandbahn schon ihre letzte Fahrt hatte), dann bin ich auf dem Grat zwischen Heimgarten und Herzogstand auch mal alleine. Bei Inversionswetterlagen, wenn der bauschige Nebel die Täler zudeckt, ist dieser Weg für mich wie eine Himmelsleiter. Ein göttliches Gefühl, dort zu bleiben, bis die Sonne untergeht. Aber eine Stirnlampe sollte man für den Weg runter dabei haben.

Vielen Dank für das Gespräch. 
Das Jubiläumsheft ist ab 9. September 2013 erhältlich.

1 Kommentar:

  1. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle.
    "Bergsteiger" ist nicht zu unrecht seit so langer Zeit erfolgreich. Meiner Meinung nach sind es eben die fundierten Berichte von erfahrenen Bergfexe die die Zeitschrift nach wie vor so hervorheben ;)!
    Qualität statt Quantität eben.

    In diesem Sinne...auf weitere 80+Jahre ;)!
    Gruß,
    Dom

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