Das Short Sleeve von Ortovox im Test – wie nachhaltig kann Outdoorbekleidung sein?

Die Suche nach nachhaltiger Outdoorbekleidung geht weiter und ich bin dabei auf das Short Sleeve T-Shirt von Ortovox gestoßen. Interessant an dem Shirt ist, dass es zu 50 Prozent aus Tencel, bzw. Lyocell besteht, eine Faser, die wesentlich umweltfreundlicher als Baumwolle sein soll. Ein Grund das T-Shirt von Ortovox mal etwas genauer zu testen.

Tencel – was ist das genau?

Das Short Sleeve von Ortovox im Test
Also Tencel, eine Faser, die inzwischen nicht nur Ortovox verwendet, besteht aus Eukalyptusholz, das in einem speziellen Verfahren zu einer Faser weiterverarbeitet wird. Dieser Herstellungsprozess ist ein geschlossener Produktionskreislauf, denn die Faser ist komplett kompostierbar. Für den Anbau des Eukalyptus werden keine Pestizide und keine künstliche Bewässerung eingesetzt. Die Ortovox Zulieferer beziehen das Holz aus FSC zertifizierten Holzfarmen, die nachhaltig wirtschaften.
Für die Produktion ist neben Holz noch Wasser und ein Lösungsmittel notwendig, das laut Ortovox aber zu 100 Prozent zurück gewonnen wird. Insgesamt sollen dabei keine Schadstoffe in die Umwelt gelangen oder in der fertigen Faser zurück bleiben. Aus diesem Grund zeichnete die Europäische Union den Herstellungsprozess mit dem „European Award fort he Environment“ aus.

Tencel – besser als Baumwolle?

Außerdem soll sich Tencel besser als Baumwolle tragen, da es mehr Feuchtigkeit speichern kann und ähnliche Eigenschaften wie Merinowolle besitzt. Also schnell trocknet, antibakteriell ist und feuchtigkeitsregulierend wirkt. Alles in allem also eine Faser, die sehr gut für den Outdoorbereich geeignet ist.

Ortovox Short Sleeve T-Shirt im Test

Das getestete T-Shirt von Ortovox besteht nun also zu 50 Prozent aus Tencel und zu 50 Prozent
aus Merinowolle. Eine Kombination die sehr angenehm zu tragen ist und gerade im Sommer durch eben die Funktionalität beider Materialien sehr viele Vorteile bietet. Das Shirt ist angenehm lang geschnitten und von der Qualität sehr überzeugend. Auch nach vielen Wäschen ist kein Peeling am Stoff zu erkennen und das Shirt hat auch nicht in seiner Form verloren.
Ich habe das Shirt sowohl im Büro schon getragen, als auch bei einer mehrtägigen Bergtour in der Schweiz und war jedes Mal sehr zufrieden. Vor allem bei der Bergtour fand ich es sehr angenehm, dass das Shirt am Abend nicht muffelig, es nach anstrengenden Aufstiegen schnell trocken war und ich darin nicht übermäßig geschwitzt habe.
 
Trägt sich das Tencel/Merinogemisch nun anders als reine Merinowolle?

Allein von der Haptik her, würde ich sagen, dass das Tencel-Merinogemisch etwas weicher auf der Haut liegt, als reine Merinowolle Shirts. Es ist insgesamt etwas feiner im Stoff und trägt sich für mein Empfinden angenehmer als T-Shirts, die aus reiner Merinowolle bestehen.

Ist Tencel und Merino nun wirklich nachhaltig?

Das ist eine Frage, die ich mir in den letzten Wochen nun oft gestellt habe. Es ist ökologisch durchaus besser, Shirts aus Tencel herzustellen, denn aus reiner Baumwolle, da der Fertigungsprozess und die Anbaumethoden  hier wesentlich umweltfreundlicher sind. Doch Tencel besteht aus Eukalyptusholz und das wächst, ähnlich der Baumwolle, nicht wirklich in unseren Breitengraden. Auf der anderen Seite bleibt dann die Frage, aus welchen Rohstoffen könnten wir
unsere Bekleidung herstellen, wenn wir auf europäische Produkte zurückgreifen? Und ist dieser Fertigungsprozess dann wirklich umweltfreundlicher als jener für Tencel? Denn Tencel ist als Faser darüber hinaus noch sehr ergiebig. Aus sechs Quadratmeter Anbaufläche für Eukalyptusholz lassen sich zehn T-Shirts aus Baumwolle herstellen. Aus gleicher Baumwoll-Anbaufläche nur ein einziges T-Shirt.
Die langen Transportwege bei Merinowolle, die meist aus Neuseeland oder Australien kommt, sind ebenso kritisch zu hinterfragen. Umso besser fand ich deswegen das Swisswool-Projekt von Ortovox über das ich bereits einmal berichtet habe. Dort wird die Schurwolle von Schweizer Schafen direkt an Ortovox geliefert, so dass kurze Transportwege genutzt werden können und Schweizer Bergbauern eine wirtschaftliche Grundlage für ihre Schafzucht geboten werden kann.

Fazit: das Short Sleeve T-Shirt von Ortovox überzeugte mich mit seiner Qualität und seiner Funktionalität absolut. Es trägt sich angenehm weich auf der Haut, es bietet eine wirklich gute Verarbeitung und kann durchaus viel und häufig gewaschen und getragen werden ohne direkt ausgeleiert oder ähnliches zu sein. Der Tencel Anteil im Shirt macht sich durchaus positiv bemerkbar und bietet dadurch nochmal mehr Komfort als herkömmliche Merinowolle Shirts.
Der Fertigungsprozess des Short Sleeve ist vom Anbau der Rohstoffe bis zum fertigen Shirt wesentlich umweltfreundlicher, Ressourcen schonender und ökologischer als bei herkömmlicher Outdoor Bekleidung. Das Swisswool Projekt von Ortovox sorgt dafür, die Transportwege der Schurwolle zu verkürzen und Tencel ist in seiner Herstellung ein absolut nachhaltiges Produkt. Klar es gibt Produkte, die in ihrer Ökobilanz noch besser da stehen, als das Short Sleeve von Ortovox. Aber in Hinsicht auf nachhaltige Outdoorbekleidung ist es für mich durchaus ein sehr positives Beispiel, für neue Produktionsprozesse und Innovation.



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