Grindelwald und die Eigernordwand - eine besondere Beziehung



Die Eigernordwand von Grindelwald aus gesehen
Ende Juli jährt sich der Erstdurchstieg der Eigernordwand zum 75. Mal, wie ich bereits berichtet habe. Aus diesem Anlass durfte ich vor zwei Wochen drei Tage in Grindelwald verbringen und konnte mir währenddessen die Gegend um Eiger, Mönch und Jungfrau etwas genauer anschauen.  Zum einem fand ich es schon interessant, wie ein Erstdurchstieg auch noch 75 Jahre später so viele Menschen begeistern kann und wie sehr sich ein Ort mit einer Nordwand identifizieren kann.

Ein Ort und seine Nordwand – Grindelwald und der Eiger

In Grindelwald angekommen, ist schnell klar, wie sehr der Eiger und vor allem seine Nordwand den Ort im Berner Oberland dominieren. Auch heute noch wirkt sie beinahe uneinnehmbar und abweisend. Selbst Mitte Juli liegt noch oder wieder viel Schnee in der Wand. Von auch heute noch ernst zu nehmenden Gefahren beim Durchstieg höre ich viele Bergführer reden. Biwakierte Nächte, Lawinen und Steinschlag sind immer wieder Teil der Erzählungen. Da verwundern Namen wie Todesbiwak, Spinne, Götterquerung oder Eisschlauch nicht, sie deuten vielmehr auf die Schwierigkeiten hin, die Kletterer unterwegs erwarten.
Es ist aber auch von einer besonderen Route, die es so nur einmal gibt, die Rede oder vom unbeschreiblichen Gefühl auf dem Gipfel zustehen. Ganz klar, die Menschen in Grindelwald haben eine besondere Beziehung zur Eigernordwand.

Blick auf die Eigernordwand und die kleine Scheidegg

Ein Blick in die Vergangenheit – die Leistung von 1938

Anlässlich des 75. Jubiläums der Heckmair Route bin ich nun also von Grindelwald Tourismus eingeladen worden, mir die Nordwand mal in natura anzusehen und ein Gefühl für die Leistung von damals zu bekommen. Ein Blick in die Vergangenheit lässt sich am besten im Heimatmuseum werfen, denn hier stehen sie, die Souvenirs von damals. Das Motorrad von Heinrich Harrer, die Ersatzmütze von Anderl Heckmair. (Die Originalmütze befindet sich im Museum von Reinhold Messner, wie Museumsleiter Marco Bomio mit einem Schmunzeln verrät). Doch hier wird angesichts der ausgestellten Ausrüstung von damals auch klar, was für eine Leistung es war, 1938 die scheinbar undurchsteigbare Nordwand  des Eiger erfolgreich durchzuklettern. Hanfseile, Pickel mit Holzschaft und Steigeisen, die heute niemand mehr anziehen würde, waren die Hilfsmittel  der Erstbesteiger.

Am Fuße der Eigernordwand – mächtiger Fels mit historischem Hintergrund

Rettungseinsatz an der Eigernordwand
Weiter geht es danach an den Ort des Geschehens, an den Fuß der Eigernordwand. Mächtig, teilweise überhängend steht sie nun da. Wir befinden uns in etwa am Platz des Basislagers von 1938 und können gut nachvollziehen, wieviel Mut und Entschlossenheit dazu gehört haben muss, 1938 in die Wand einzusteigen. Zwei Österreicher und zwei Deutsche waren dann am Ende erfolgreich. Doch warum kein Schweizer, warum versuchten die Menschen aus Grindelwald nicht diese mächtige Wand zu durchsteigen? Auch hier kommt die Antwort wieder aus der Vergangenheit. Denn damals hatten die Bewohner von Grindelwald andere Sorgen, wie der Bürgermeister persönlich erklärt. Der Lebensunterhalt musste verdient werden. Die Landwirtschaft, die Tiere, all dies ließ keine Zeit sich Gedanken über eine Wand zu machen, die zu diesem Zeitpunkt als undurchsteigbar galt.
Doch heute sind sie stolz auf die Leistung von damals und erklären jedem Besucher gerne, wie es sich 1938 alles zugetragen hat. Wie Harald Harrer mit dem Motorrad nach Grindelwald kam oder wie Anderl Heckmair die Route durch den Fels fand.

Nach drei Tagen in Grindelwald ist mir auf jeden Fall klar, warum die Eigernordwand auch heute noch so eine Anziehungskraft besitzt. Warum es auch heute noch unter Kletterern eine Art Auszeichnung ist, hier durchgestiegen zu sein, egal ob in Rekordzeit oder auf einer neuen Route. Es ist der fast übermächtige Blick von Grindelwald auf die Wand. Von überall im Dorf ist sie zu sehen und dominiert das Erscheinungsbild von Grindelwald wie es sonst selten ein Berg tut. Es ist aber auch der noch heute nicht leicht zu kletternde Fels, die Gefahren, die immer noch lauern, die die Eigernordwand immer noch zu etwas ganz besonderen in den Alpen macht.






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