Outdoor Bekleidung - fair, nachhaltig und Ressourcen schonend. Gibt es so etwas?

Wandern, bergsteigen, klettern all das macht  Spaß, weil die Natur, die Umgebung, die Landschaft so schön sind. Weil wir den Ausblick vom Gipfel genießen, weil wir die unberührten Täler bewundern oder weil die Berge einfach wunderschön sind. Für diese Unternehmungen brauchen wir Ausrüstung, Hosen, Jacken, Hemden oder Mützen. Denn nass werden wollen wir nicht, schwitzen auch nicht und einen Sonnenbrand erst recht nicht bekommen. Also kaufen wir uns Funktionswäsche, wasserfeste Bekleidung oder sonnenabweisende Mützen. Zusätzlich benötigen wir natürlich einen Rucksack, Schuhe und so einiges mehr.

Outdoorsport wird immer beliebter - die Industrie erkennt diesen Trend

Bildquelle: Tatonka
Die Herstellung dieser Dinge ist häufig aufwendig, lange Entwicklungsprozesse sind nicht selten und die Umweltbilanz sieht leider auch nicht unbedingt gut aus. Von den Bedingungen in den Fabriken vor Ort, den langen Transportwegen der Rohprodukte und schließlich des fertigen Produktes ganz zu schweigen. Die Outdoorindustrie ist, wie viele andere Bekleidungssparten auch, ein großes Geschäft. Bergsport, klettern oder wandern ist gerade sehr beliebt und findet immer mehr Anhänger. Die Auswahl an Hosen, Jacken, Shirts und dergleichen wird immer größer, viele Unternehmen wollen an diesem Trend verdienen. Doch was sagt die Natur dazu? Was sagen Menschen dazu, die diese Dinge herstellen? Und was passiert eigentlich mit unserer alten Regenjacke?


Outdoorsport und Nachhaltigkeit - zwei, die noch nicht so recht zusammen gefunden haben

Genau hier setzt der Gedanke der Nachhaltigkeit an. Ist es wirklich sinnvoll Rohstoffe um die halbe Welt zu transportieren, wenn wir vor Ort ähnliche Produkte haben können? Muss für den Produktionsprozess einer Regenjacke wirklich so viel Chemie verwendet werden? Kann ich gebrauchte Klamotten nicht weiterverwenden? Und, und, und, die Liste der Fragen lässt sich ohne Probleme verlängern.

Was in vielen anderen Lebensbereichen schon lange angekommen ist, ist im Bereich des Bergsports noch teilweise schwer zu finden. Der Gedanke, sich kritisch mit dem eigenem Konsum und dessen Auswirkung auf Umwelt und Mensch auseinanderzusetzen. Umweltschutz oder die Idee das zu schützen, was ich so bewundere - die Natur - ist nicht so präsent.

 Aber es geht - Nachhaltigkeit und Outdoorsport

Doch so langsam finden sie zusammen. Die Unternehmen der Outdoorbranche und der Gedanke der Nachhaltigkeit. So finden sich immer mehr Beispiele, indenen dies schon sehr gut funktioniert. Unternehmen, Siegel oder Initiativen, die zum Ziel haben, Bekleidung und Ausrüstung für den Bergsport, das Klettern oder Wandern nachhaltig, umweltbewusst und fair herzustellen. Unternhemen die Rohstoffe vor Ort nutzen, die recycelte Rohstoffe verarbeiten oder die einfach so umweltverträglich wie möglich herstellen.

Beispiel 1 - Vaude
Bildquelle: Vaude
Ich möchte nun ein paar Unternehmen vorstellen, die schon sehr große Bemühungen in dieser Richtung unternommen haben. Die Liste hat keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.
Als erstes Beispiel möchte ich Vaude nennen, das für mich eines der wirklich großen, grünen Unternehmen ist. Bis 2015 will Vaude Europas nachhaltigster Ausrüster werden. Ein Ziel, das auf ein bereits großes existierendes Engagement schließen lässt. Neben Umweltschutz in der Produktion, Recycling gebrauchter Bekleidung, sozialen Projekten und einem eigenen Umweltsiegel ist Vaude Mitglied in der Fair Wear Foundation und zertifiziertes Blue Sign Mitglied.
Das Piz Bial Jacket von Ortovox

Beispiel 2 - Ortovox
Ein weiteres Projekt, das in den letzte Monaten meine Aufmerksamkeit erreigt hat, ist das Swiss Wool Project, an dem unter anderem Ortovox teilnimmt und zeigt, dass Rohstoffe auch aus Europa stammen können. Die Wolle der Schweizer Schafe vernäht Ortovox in Bekleidung für den alpinen Einsatzbereich und gibt damit eine gute Alternative zu den zahlreichen Daunenjacken. Ebenso findet der weitere Fertigungsprozess in Europa statt, so dass die Transportwege kurz gehalten werden. Im Winter konnte ich das Piz Bial Jacket von Ortovox testen.

Beispiel 3 - Houdini
Das dritte Beispiel für Nachhaltigkeit im Outdoorbereich, das ich vorstellen möchte ist Houdini. Ein bei uns bis jetzt eher unbekanntes Unternehmen aus Schweden. Das Ziel von Houdini ist die gesamte Kollektion aus recycelten oder erneuerbaren Rohstoffen herzustellen. Außerdem soll alte Bekleidung recycelbar oder biologisch abbaubar sein. Auch bei externen Zulieferern wird auf soziale Verantwortung und Umweltschutz geachtet.

Made in Germany - zwei Beispiele

Daneben gibt es natürlich zahlreiche weitere Unternehmen, die bereits nachhaltiger produzieren oder sich stark sozial engagieren. Auch Hersteller, wie Yeti, die als kleiner Ausrüster in Deutschland produzieren, sind erwähnenswert. Die Görlitzer verwenden nur Daunen von polnischen Bauern, die ihre Gänse artgerecht halten. Dies bedeutet Freilandhaltung und kein Lebendrupf.
Erst kürzlich bin ich auf die relativ kleine Marke Triple 2 aufmerksam gemacht worden (vielen Dank an Wiebke), die sich zwar auf Bike Bekleidung spezialisiert haben, aber ein ganz besonders starkes Augenmerk auf Nachhaltigkeit, Umweltschutz und soziale Verantwortung gelegt haben. Ich durfte die Kort Short des Labels testen und war mehr als begeistert.

Bei genauerer Recherche zeigt sich, dass es bereits Ansätze zu einer nachhaltigen Produktion in der Outdoorbranche gibt. Dennoch sollte das Umdenken auch beim Verbraucher, also dem Bergsportbegeisterten beginnen. Erst wenn der Wunsch nach umweltschonender, sozial gerechter Fertigung dort angekommen ist, wird sich wirklich etwas ändern.





Kommentare:

  1. Ein wirklich gelungener Artikel!

    Markus

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  2. Lieber Markus,

    danke für das Lob.

    lg

    Almut

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  3. Die positiv Liste ließe sich durchaus noch erweitern, die Branche ist im Umbruch und da wird sich noch einiges in den nächsten Jahren tun. Wichtig ist aber auch auf Verbraucherseite umzudenken. Nachhaltig wäre z.B. wenn weniger konsumiert, mehr getauscht, mehr Ware aus Europa gekauft würde, weniger "billig" produzierte Outdoor-Ausrüstung aus dem Discounter und mehr Ausrüstung wieder in Europa/Deutschland hergestellt würde. Positiv Beispiel: Vaude mit den Taschen und dem Bulin Rucksack. Solchen Herstellern muss der Verbraucher den Vorzug geben! Hier wäre Aufklärung wichtig, auch seitens der Medien. Nicht alles was Hersteller anbieten und in den Läden/Shops landet ist sinnvoll und brauchbar, da ist auch der Handel gefragt...weitere fair und nachhaltige Engagements auf Hersteller-Seite z.B. auch bei Monkee aus Nürnberg oder dem Dickschiff Patagonia, Yvon Chouinard ist dies eine Herzensangelegenheit. Negativ Beispiel: z.B. die Lieferkette von Merino-Bekleidung aus Neuseeland.

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  4. Lieber Steffen,

    vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Natürlich lässt sich die Liste noch erweitern und ich erhebe auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Deine Gedanken zum Konsum und dem Preisniveau finde ich absolut zutreffend.

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  5. Guter Artikel! Leider sind solche fair gehandelten Produkte auch immer sehr viel teurer als die ohnehin schon ganz schön teure Outdoorkleidung. Aber man sollte bei solchen Dingen nicht knauserig sein - ich werde wohl ein wenig sparen müssen ;-)

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  6. Sehr guter Artikel.Weniger ist mehr. Es ist Wahnsinn, was wir auch mit wenig Geld erreichen können, solange wir es gezielt ausgeben. Zuviel Konsum belastet und macht auch überhaupt nicht glücklich. Dann lieber mehr bezahlen und Unternehmen, die auch in einer Marktwirtschaft, wo Profit scheinbar das einzige ist was zählt, endlich einen Blick auf die Natur und die Ressourcen werfen.

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