Handbuch Klettergarten: Interview mit Peter Thaler

Climbers-Paradies ist unter Kletterern inzwischen ein fester Begriff, wenn es um Informationen rund um Klettergebiete in Tirol geht. Nun veröffentlichten die Betreiber der Plattform rund um Peter Thaler und Mike Gabl in Zusammenarbeit mit dem Land Tirol, dem Österreichischen Alpenverein und der Tirol Werbung das "Qualitätshandbuch Klettergarten". Im Interview mit Gipfelblick spricht Peter Thaler über Standards in Klettergärten und die Entwicklung von Climbers-Paradies.


Gipfelblick: Vor viereinhalb Jahren ist die Plattform Climbers Paradies online gegangen. Gab es damals bereits bestimmte Kriterien, die Klettergebiete erfüllen mussten, um dort aufgenommen zu werden?
Peter Thaler: Nein, die gab es damals nicht. Im Vordergrund stand zu diesem Zeitpunkt die umfassende Information über die Klettermöglichkeiten, zuerst im Ötztal, dann in West-Tirol und schließlich in ganz Tirol. Wir wollten so schnell als möglich die gesamte Kletterinfrastruktur online stellen. Jedoch ist uns schnell bewusst geworden, dass es große Unterschiede bei Thema Sicherheit und Qualität gab. Damit über unterschiedliche Standards berichtet werden konnte, wurde ein Punktesystem entwickelt. Je weniger Punkte ein Klettergarten vorweisen kann, umso so höher ist das Risiko dort zu klettern. Parallel dazu hat man begonnen, Klettergebiete im großen Stil zu sanieren. Dabei wurden bei Bedarf Haken und Stände neu eingebohrt und das alte Material entfernt.

Gipfelblick: Welches sind die wichtigsten Kriterien und Qualitätsstandards, die ein Klettergebiet erfüllen sollte, um möglichst viele Punkte zu erhalten? 
Thaler: Die Standards im Handbuch beschreiben nicht nur Maße und Fakten sondern auch Ablaufpläne und Checklisten.
Die Ablaufplanung sieht folgendermaßen aus: Zuerst wird ein Vertrag mit dem Grundstückseigentümer geschlossen. In beinahe allen Fällen hat der regionale Tourismusverband die Betreuung und die Verantwortung übernommen. Ein Umstand den es bis dahin in Tirol kaum gab.
Aus dem Ist-Zustand eines Klettergartens wird ein Sanierungskonzept erstellt und auf entsprechend viele Jahre verteilt. In manchen Regionen wird seit mehr als vier Jahren saniert und schrittweise die Qualität angehoben. Inzwischen wird nur mehr Edelstahl verwendet und auch die Stände wurden entsprechend weiterentwickelt.
Die Klettergärten selbst sollen auch eine bestimmte Infrastruktur aufweisen, die jedoch von der Gesamtsituation abhängt. Bänke und Sitzgelegenheiten sind inzwischen in beinahe jedem Klettergarten Standard und teilweise sogar Toiletten. Die Beschilderung vom Parkplatz bis zum Klettergarten sowie der Wegebau sind auch im Konzept erhalten.



Gipfelblick: Im Qualitätshandbuch Klettergarten haben Sie diese Standards nun zusammen gefasst. Wie entstand die Idee, diese in einem Buch zu veröffentlichen?
Thaler: Das Handbuch ist eigentlich aus der Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Alpenverein, der Tirol Werbung und der Sportabteilung des Landes Tirol entstanden. Während das Climbers Paradise gewachsen ist, konnten wir auch gewichtige Partnerorganisationen für unsere Idee gewinnen. Das Handbuch ist eigentlich die Zusammenfassung des Kletter-Know-Hows aller Beteiligten.

Gipfelblick: An wen richtet sich das Buch? Nur an Betreiber von Klettergärten oder ist es auch für Kletterer interessant?
Thaler: Das Buch ist eigentlich für jeden Betreiber, die Sanierer, die Einrichter und auch für die gesamte Klettergemeinschaft interessant. Das Buch ist als Nachschlagewerk konzipiert und liefert Informationen auf unterschiedlichem Niveau. Von tollen Fotos bis hin zu technischen Details des verwendeten Materials. Es soll zum Nachschlagen einladen aber auch Interesse wecken.

Gipfelblick: Seit ihrer Gründung ist die Online-Plattform Climbers Paradies stetig gewachsen. Wie sieht die Zukunft aus? Sind noch weitere Projekte in Planung?
Thaler: Zurzeit verfolgen wir zwei Ziele. Zum einen wollen wir die Internetplattform weiter funktionell ausbauen und zum anderen weiterhin Infrastruktur sanieren und zusammen mit den Tourismusverbänden neue Klettermöglichkeiten erschließen.  Besonders im Bereich der familien- und anfängerfreundlichen Klettergärten sowie bei den leichten Klettersteigen gibt es noch unzählige Expansionsmöglichkeiten. Leider fehlen uns noch ein paar Klettergebiete, die wir noch für uns gewinnen wollen.



Das Buch steht  als Download auf Climbers-Paradies, beim Alpenverein und bei der Sportabteilung Land Tirol zur Verfügung. Das gedruckte Werk ist beim Alpenverein in Innsbruck erhältlich.

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