Barfusswandern - die Langsamkeit beim Wandern entdecken

Der Barfußwanderweg in der Übersicht
Seitdem bei der Auswahl meiner Touren nicht mehr Kriterien, wie ein toller Gipfel, ein interessanter Weg oder eine tolle Landschaft eine Roll spielen, sondern schlicht und ergreifend die Frage geklärt wird, ob das auch Kindern Spaß machen könnte, entdecke ich doch immer wieder neue Dinge, wie zum Beispiel barfusswandern.

Mit dem Sessellift auf den Kranzberg

Ein Wanderweg mit viel Matsch, Dreck und Wasser, na das muss doch was für Kinder sein, also sind wir letztes Wochenende nach Mittenwald gefahren um dort erstmal ganz gemütlich mit einem Einersessellift auf den Kranzberg zu fahren. Dies stimmte in gewisser Weise schon auf den Tag ein, denn der Lift zuckelte gemütlich bergwärts, während unten am Weg Katzen, Schafe, Hunde und andere Wanderer zu bestaunen waren. Und langsam sollte es den ganzen Tag vorwärts gehen. Ohne Schuhe geht es sich eben doch nicht so schnell.

Und rein in den Matsch - die Wanderung ist nach fünf Minuten ein Erfolg



Von der Bergstation war der Beginn des Barfußwanderweges schnell erreicht. Ein Schuhregal stand bereit ebenso wie eine Fußdusche für hinterher und die Auskunft, dass es 21 Stationen gibt, die über den Weg verteilt sind. Nun los geht es und als erstes über eine Wiese und Steinplatten. Das Gefühl ist viel angenehmer als ich dachte, meine Schuhe habe ich bereits vergessen. Auch mein Sohn findet es toll, ohne Schuhe und läuft so gerne, wie sonst nie. Mit Gejohle springt er in die Schlammgrube. Na zum Glück habe ich Ersatzklamotten dabei.


Zeit für Beobachtungen - barfußwandern ist langsam

Und so geht es über Stock und Stein, über Baumstämme, Moos und Wiesen, durch Wasser, Tannenzapfen und noch mehr Matsch immer weiter. Und was fällt mir auf. Wir wandern langsamer als sonst. Wir schauen uns den Boden mehr an, wir bleiben eher mal stehen, um die Aussicht auf das Karwendel, den Herzogstand oder den Wildensee zu bestaunen. Wir haben Zeit und klettern dabei über Felsen, wackeln über Schotterwege und lachen mit anderen Barfußwanderern, die uns entgegen kommen. Es ist einfach ein schönes Gefühl so ganz ohne Schuhe und die fragenden Blicke der Schuhwanderer fallen irgendwann gar nicht mehr auf.

Picknick mit Aussicht und Eisautomat am Ende - was will man mehr?

Nach einem Picknick mit Karwendelblick geht es auf ins letzte Stück und nochmal spüren wir den Unterschied zwischen Moosboden und Waldboden, zwischen nass und kalt und trocken und heiß. Am Ende wartet die Fußdusche und ein Eisautomat, der natürlich gleich von meinem Sohn gestürmt wird. Aber wer so tapfer den ganzen Weg alleine gegangen ist, der hat sich eine Belohnung verdient. Ach und wozu hatten wir gleich noch die Trage dabei? Genau, damit er beim Runterfahren im Sessellift schon mal schlafen kann. Barfußwandern macht eben müde. Und mit Schuhen gehen, war auf einmal sehr merkwürdig.

Fazit: es wird sicherlich nicht unser letzter Barfußwanderweg gewesen sein. Dafür hat es einfach zu viel Spaß gemacht.
Der Panorama Barfußwanderweg in Mittenwald ist über den Sessellift am Kranzberg zu erreichen und ungefähr 1,6 Kilometer lang. Wir waren mit langer Pause und wirklich niedrigem Gehtempo gute drei Stunden unterwegs.

Dem Himmel so nah – übernachten in den Alpen, nur wo?

Es gibt so viele schöne Möglichkeiten in den Alpen zu übernachten. Hütten, Almen, Pensionen, Hotels oder Campingplätze. Manchmal bin ich fast schon traurig, dass es sich meist für mich nicht lohnt, eine der vielen netten Möglichkeiten auch mal zu testen, denn der Heimweg ist einfach zu kurz. Aber es kann ja auch mal
anders kommen und deswegen eine kleine Übersicht, wo es sich lohnt, sein Nachtlager aufzuschlagen.

 Übernachten auf einer Hütte – Sternenhimmel in den Bergen 

Sehr reizvoll finde ich es ja immer, weit ab von jeglicher Bebauung, sprich Dorf oder Stadt, zu übernachten. Nirgends ist der Sternenhimmel klarer, die Ruhe besser und die Nacht dunkler. Berghütten oder Almen bieten dies sehr oft. Denn hierher fahren keine Autos und es führen sehr oft keine Bergbahnen hin. Es gibt nichts als Natur Drumherum und dennoch bietet eine Hütte einen gewissen Komfort und einen Schutz vor Wind und Wetter. Die meisten Hütten in den Bergen werden von einem Alpenverein betrieben und bieten eine mehr oder weniger komfortable Ausstattung. Es gibt sie von relativ klein bis fast schon Hotelartig, in jeder Größe.

Mit dem Zelt unterwegs – der Natur ganz nah 

Einfacher, aber auch unabhängiger und freier geht es mit dem Zelt. Abends ein hübsches Fleckchen suchen und den Sternenhimmel aus dem Schlafsack bewundern. Nirgends ist die Natur näher und die Freiheit größer. Aber Vorsicht: nicht überall ist wildes campen erlaubt. Deswegen besser erst mal nachfragen, bevor der Ärger groß ist. Diese Frage stellt sich auf einem Campingplatz natürlich nicht, dafür ist es meist mit der Einsamkeit auch nicht weit her. Der Komfort aber gleich unwesentlich höher und die Stimmung abends auf einem Campingplatz kann auch durchaus sehr nett sein. Komfort im Hotel – Designhotels bieten Luxus Wer aber dann doch auf ein weiches Bett, eigene Dusche und Toilette nicht verzichten mag, der findet in vielen netten Hotels und Pensionen, die sich in den Tälern befinden, sein Glück. Hier gibt es alles, von einfachen familiengeführten Pensionen bis hin zu wahren Designhotel mit extravaganten Zimmer und Ausstattung. Auch in letzter Minute für Kurzentschlossene gibt es immer wieder nette Zimmer mit toller Aussicht auf die Berge, die sich für einen erholsamen Urlaub eignen. Nach einem anstrengenden Tag am Berg ist ein bisschen Luxus am Abend auch nicht zu verachten.

Abendrot in den Bergen – nicht nur im eigenen Garten bewundern 

Welche Art der Übernachtung gewählt wird, ist individuell sehr unterschiedlich und ich kann jeder Variante gewisse Vorzüge anerkennen. Schön sind die Abende und Nächte in den Bergen auf jeden Fall und von wo ich das Abendrot der Berge bewundere, ist im Prinzip egal. Und vielleicht schaffe ich es wirklich mal in den Bergen zu übernachten auch wenn das eigene Bett nicht weit weg ist.

Hoher Riffler im Zillertal - mit Genuss auf einen 3000er

Aussicht von der Terrasse am Friesenberghaus
Gipfel jenseits der 3000er Marke haben schon ihren ganz besonderen Reiz. Die Landschaft ist rauer und karger, die Luft etwas dünner und die Aussicht meist überwältigend. Auch der Aufstieg muss nicht gefährlich oder sehr anstrengend sein. Es gibt durchaus Gipfel mit einer 3 vorne dran, die sich relativ leicht besteigen lassen. Der Hohe Riffler (3231m) im Osten des Tuxer Hauptkamms ist ein solcher Berg.

Vom Friesenberghaus auf den Hohen Riffler

Das Friesenberghaus bietet für diesen Berg einen guten Ausgangspunkt und stimmt schon mal gut auf den Berg ein. Denn mit Aussicht auf den Schlegeisspeichersee im hinteren Zillertal lässt sich der Abend schön ausklingen und immerhin sind bis zur Hütte auch 700Hm zu überwinden und damit in etwa die Hälfte zwischen Stausee und Gipfel.

Kurz nach dem Schlegeisspeicher
Hoher Riffler vom Süden aus - über einen schmalen Grat zum Gipfel

Insgesamt 1400 Hm liegen zwischen Ausgangspunkt und Gipfelkreuz, ab dem Friesenberghaus sind es noch gute 730Hm. Eine Übernachtung ist also eine nette Dreingabe, muss aber nicht sein.
Der Anstieg zum Gipfel beginnt direkt an der Hütte und führt zunächst zum Petersköpfl hinauf. Ein kleiner Gupf mit Unmengen an Steinmänchen, die schon von weiten zu sehen sind. Der weitere Weg ist teilweise geprägt durch leichte Kletterei und einer schönen Aussicht auf die umliegenden Zillertaler Gipfel. Insgesamt ist der Weg unproblematisch, aber er verlangt durchaus eine gewisse Trittsicherheit und Erfahrung. In guten drei Stunden ist der Gipfel ab der Hütte erreicht.

Fernsicht auf den Olperer

Der Hohe Riffler ist ein Berg mit vielen Gesichtern. Im Süden, auf der Aufsteigsseite, präsentierte er sich als felsiger rauer Berg. Im Norden ist der Gipfel firnbedeckt und fällt sanfter ab. Im Norden und Westen ist der Gipfel von Gletschern umgeben. Die Aussicht auf den Olperer und den Zillertaler Alpenkamm ist auch nicht zu verachten.
Insgesamt eine schöne Tour, die ich allerdings als Zweitagestour empfehlen würde. Allein vom Genussaspekt her, finde ich es bei 1400 Höhenmeter angenehmer, diese auf zwei Tage zu verteilen.